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MIDeC: Keramik und Design in Cerro di Laveno

Im Palazzo Perabò in Cerro di Laveno erzählt das MIDeC die Geschichte der Keramikmanufakturen von Laveno. Der Rundgang verbindet Alltagsgeschirr, Kunstkeramik und Designobjekte und zeigt, wie aus einer lokalen Fabriktradition international beachtete Entwürfe hervorgingen.

Kurzfakten zum MIDeC

  • Standort: Palazzo Perabò, Lungolago Perabò 5, Cerro di Laveno Mombello.
  • Sammlung: rund 3.000 keramische Werke im Bestand, davon etwa 500 dauerhaft ausgestellt.
  • Ausstellung: elf Räume zur Geschichte der Società Ceramica Italiana; vier zusätzliche Räume dienen Wechselausstellungen.
  • Schwerpunkte: Terraglia, Porzellan und Entwürfe von Guido Andloviz, Antonia Campi, Angelo Biancini und weiteren Künstlern.
  • Gründung: Die öffentliche Sammlung wurde 1968 begründet und 1971 im Palazzo Perabò eröffnet.

Von der Fabrikgründung zur Designgeschichte

Die industrielle Keramikproduktion in Laveno begann 1856. Carlo Caspani, Alessandro Carnelli und Severino Revelli gründeten die Società Ceramica C.C.R. in einem früheren Glaswerk nahe dem See. Zunächst entstanden feine Irdenware und feuerfeste Ziegel. Die frühe Ausrichtung auf preisgünstiges Geschirr machte das Unternehmen zu einem Konkurrenten etablierter Hersteller und gab einer neuen Industrie in Laveno Gestalt.

Mit dem Ausbau änderten sich Werkstoff und Maßstab. In den 1870er-Jahren nahm die Fabrik größere Anlagen in Betrieb; 1883 erhielt sie den Namen Società Ceramica Italiana, kurz S.C.I. Später kamen Porzellan, Sanitärkeramik, elektrische Isolatoren und feuerfeste Materialien hinzu. Die Entwürfe verbanden ästhetische Ansprüche mit den funktionalen Anforderungen unterschiedlicher Gebrauchs- und Industrieprodukte.

Die Sammlung des MIDeC verfolgt diese Geschichte anhand von Objekten aus der Zeit von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie wurde zunächst 1968 als Civica Raccolta di Terraglia begründet und drei Jahre später im Palazzo Perabò für die Öffentlichkeit geöffnet. Ein Teil der Werke kam aus Beständen der Società Ceramica Italiana beziehungsweise Richard-Ginori, weiteres aus privaten Schenkungen. Zeitgenössische Arbeiten erweitern den historischen Bestand.

Elf Räume als Rundgang durch Werkstoffe und Entwürfe

Die Dauerausstellung liegt im ersten Stock des Palazzo und ist nach Künstlern, Werkgruppen und Phasen der Fabrikgeschichte gegliedert. Der Auftakt widmet sich Luciano Scotti und umfasst unter anderem große Wandteller aus den Jahren 1895 bis 1923. Ihre Gestaltung reicht von naturalistischen Motiven bis zu Jugendstilformen. In einem weiteren Raum stehen 18 dekorierte Jugendstil-Schirmständer, gefertigt zwischen 1901 und 1930.

Ein seltenes Stück ist das 1923 für das Haus Savoyen gefertigte Servizio Reale. Das Tafelservice aus weißer Terraglia war ein Einzelauftrag und nicht für die Serienproduktion vorgesehen. Ein kobaltblauer Streifen, goldene Linien und das Wappen der italienischen Monarchie machen es zu einem Zeugnis höfischer Repräsentation. Die Sammlung zeigt außerdem, wie Formen und Motive in den regionalen Fabriken mit modernen Produktionsverfahren verbunden wurden.

Guido Andloviz prägte die künstlerische Entwicklung mit einer klaren, reduzierten Formensprache. Im Raum mit seinen Entwürfen begegnen Vasen, Schalen, Leuchter und Gefäße, deren Oberflächen durch monochrome Glasuren und experimentelle Effekte gestaltet sind. Das Tafelservice „Vecchio Milano“ greift historische Formen auf und verbindet sie mit dem Dekor „Lago Maggiore“, das zwischen 1926 und 1927 entstand. Die Landschaft wird so selbst zum Motiv des Produktdesigns.

Antonia Campi brachte ab den späten 1940er-Jahren neue Perspektiven in das Werk. Ihre Arbeiten reichen von Wohnobjekten bis zu Entwürfen für moderne Sanitärkeramik. Der Schirmständer C33 „Spaziale“ aus dem Jahr 1949 spielt mit Volumen, Öffnungen und zweifarbiger Gestaltung. Angelo Biancini wiederum entwickelte in seiner Zusammenarbeit von 1937 bis 1940 keramische Figuren und Reliefs; im MIDeC sind auch ein Entwurfsgips und der große Orfeo-Reliefzyklus zu sehen.

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Der Besuch in Cerro di Laveno

Der Palazzo Perabò steht direkt am Lungolago in Cerro, einem Ortsteil von Laveno Mombello. Das Museum verbindet sich damit mit der Industriegeschichte des Laveno-Gebiets, das sich entlang des Ostufers des Lago Maggiore entwickelte. Für den regionalen Zusammenhang führt der Überblick zum Lago Maggiore zu den Orten und Landschaften rund um den See; ein längerer Urlaub am Lago Maggiore lässt sich hier um einen eigenständigen Kulturstopp erweitern.

Das MIDeC ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils 10.30–13.30 Uhr und 14.30–17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet regulär 6 Euro und ermäßigt 3 Euro; Kinder bis zwölf Jahre und Menschen mit Behinderung haben freien Eintritt. Im Erdgeschoss ergänzen vier Räume für Wechselausstellungen die Dauerausstellung. Führungen, Fachbibliothek und kreative Workshops erweitern das Besuchsangebot.

Häufige Fragen zum MIDeC

Wofür steht MIDeC?

Der Name steht für Museo Internazionale Design Ceramico. Das städtische Museum dokumentiert die Keramik- und Designgeschichte Lavenos, insbesondere die Produktion der Società Ceramica Italiana.